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YIN und YANG
III - Das Tai Ji Symbol
Dieses, bis auf den Philosophen Aristoteles zurückzuführende Weltbild des gegenseitigen Auschlusses durch Gegensatz, dominiert unser Denken seit mehr als 2000 Jahren und nur wenige von uns bemerken wie unbedacht wir zum Beispiel Begriffe wie Tag und Nacht verwenden - der Tag ist Vormittag, Mittag, Nachmittag oder am Abend, Nacht ist es wenn es dunkel ist, aber je nachdem erst nach Mitternacht oder sehr früh am Morgen. Wir sehen bisweilen einen Regenbogen, der nur sichtbar ist wenn es gleichzeitig regnet und die Sonne scheint. Da es aber einen Begriff für dieses Wetter, für diesen Übergangszustand
scheinbar nicht gibt, beschränken wir uns auf die Beschreibung der
optischen Erscheinung. Etwa genauso alt wie unser westliches Denkprinzip ist das chinesische Konzept von YIN und YANG (gesprochen JIN und Jang), das wie das westliche Denkmodell auch alle belebten und unbelebten Zustände erfasst, als Beispiel seien an dieser Stelle Frau, Nacht, Erde als YIN und Mann, Tag und Himmel als YANG genannt. Diese im ersten westlichen Blick scheinbar doch auch nur gegensätzlichen Zustände sind dabei nicht absolut sondern nur in der Gegenwart des Anderen logisch, existent und sinnvoll, sie sind somit in der reinsten Form relativ. So ist ein Apfelbaum in der Ralation zum Himmel zwar YIN da er unter diesem steht, aber er ist YANG zum Erdboden da er sich über diesen erhebt. Der Vormittag ist YIN zum Mittag, aber selbst, da zeitlich später, YANG zum Morgen sowie der Frühling das YANG für den Winter aber das YIN zum Sommer ist. Im westlichen Denkprinzip ist die Existenz des Einen unabhängig von dem des Anderen, also weder dessen Ursache noch dessen Folge. Für das Beispiel Tisch im Raum heisst das - nicht weil etwas anderes nicht da ist oder war, ist er im Raum, sondern allein und ausschliesslich nur durch sein Vorhandensein an sich.
Bei den Jahreszeiten ist der Winter höchstes YIN und der Sommer
höchstes YANG. Der Frühling ist höheres YIN, der Herbst
höheres YANG . Jedoch selbst in den scheinbar extremsten Gegensätzen
wie Sommer und Winter, Frühling und Herbst sind beide Formen immer
existent. YANG, welches im Sommer am höchsten ist, hat die Saat des
Winters in sich, dieses YIN wird mit jedem Tag stärker, bis sich
dann irgendwann im Dezember das YANG scheinbar zurückgezogen hat.
Aber doch selbst im tiefsten Winter verschwindet es nie, stattdessen beginnt
YANG mit jedem Tag in Richtung Frühling wieder stärker zu werden.
Eine Zeit oder Zustand ohne die gleichzeitige Existenz des anderen gibt es nicht, an einem bestimmten Punkt sind diese sogar nicht mehr zu unterscheiden - YIN ist YANG, YANG ist YIN. Sowie bei einem einer bestimmten Mondphase nicht mehr unterscheiden kann, ob er nun in Richtung Neumond (YIN) abnimmt oder zum Vollmond (YANG) werden wird. Niemals jedoch ist von beiden etwas vollständig nur YIN oder nur YANG. Übergänge von einem zum anderen sind dabei nur durch die Grösse oder Kraft des anderen bedingt.
Es mag nicht direkt ersichtlich sein, wo sich das eigene Leben im YIN-YANG widerfindet, scheint doch Krankheit nicht in diesen Kreislauf gehörig, gar mit dem Tod durchbrochen zu sein. Aber selbst der Tod wird nicht sinnlos, wenn sich der Einzelne weniger als absolut, sondern als Bestandteil in der Ganzheit im YIN-YANG der Natur erfährt. Denn mit dem eigenen YIN ist nicht immer auch zwangsläufig das eigene YANG, die Geburt gekoppelt, sowenig abfallendes Laub das Ende des ihn zuvor tragenden Baumes bedeuteten. Im Gegenteil geben sie im Sterben die Kraft zurück, die es ihm ermöglichen den Winter zu überleben, um dann selbst, über die Zeit zur Erde und zur nährenden Substanz geworden, wieder als YANG für die neuen Blätter, aufzusteigen.
Ist zum Beipiel der Sommer oder die Arbeitszeit zu lang, verkürzt sich der Winter oder die Zeit der Ruhe und Erholung mit all den Folgen für die Geburt im nächsten Frühling oder am nächsten Morgen. Da alles im YIN-YANG zirkuliert, hat auch alles was wir uns zumuten oder unterlassen eine direkte Auswirkung auf unsere YIN-YANG Balance. Dies gilt hinab bis auf die Ebene der Organe, bis hin zu jeder einzelnen Zelle. Entsprechend werden in der traditionellen chinesischen Medizin all unsere Organe, sei es nun in der Betrachtung ihres Aufbaus oder in deren Funktion im YIN-YANG erfasst und systematisiert. Um es vorwegzunehmen - den Zustand der optimalen Balance gibt es weder
in der westlichen noch in der chinesischen Medizin, wir bleiben ja auch
nicht immer im Zustand des höchsten Lebens stehen, selbst in unserer
Sommer-Lebenszeit (zwischen dem 20 und 32.Lebensjahr) werden wir mehr
oder weniger länger oder kürzer krank. Veränderungen und
Imbalancen entstehen während des ganzen Lebens in und durch uns,
mit der Folge von Krankheiten die wir oft selbst bedingen. Zum Beispiel
ist YANG in uns zu exzessiv, wenn wir durch zu viel Arbeit mit wenig Schlaf,
Übertreiben von Ernährung und Genussmitteln und ähnlichem
unserem YIN nicht mehr den Raum zur Entfaltung gewähren. Im YIN-YANG, indem sich das Ganze auch unmittelbar am Zustand des anderen
Parts festmacht, führen fortgesetzte schädigende Eingriffe,
seien diese vordergründig harmlos oder nicht, früher oder später
zu Veränderungen des Gleichgewichtes, die dann auch die YIN-YANG
Balance einzelner Organe und damit auch den ganzen Menschen erfassen und
sich dann in Krankheitssymptomen zeigen können, bei denen nicht nur
dem dem Laien der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung verborgen
bleiben kann. Krankheit und ihr Symptom ist heute allerdings etwas feindliches, externes
das passiv mit Hilfe von Ärzten und Tabletten scheinbar schnell beseitigt
werden kann. Die eigentliche Ursache zu erkennen ist Herausforderung für
alle - für Ärzte und noch mehr für den Patienten. Gerade
dieser neigt dazu, die Einsicht in die eigene Verantwortung mit Selbstverschuldung
zu verwechseln eine Aufforderung dazu als Anklage seiner selbst zu sehen. Daher wird dies zum weiteren Nachteil des Ganzen vermieden, anstatt
eine Verletzung in der Einheit unseres Körpers als ein Warnsignal
eines voll funktionierenden Systems zu sehen. Um dies an einem Beispiel
noch zu verdeutlichen - die meisten Autofahrer würden in keinem Fall
weiter Vollgas geben wenn der Alarm der Wasserstandsanzeige aufleuchtet,
und das Gefährt verliert danach keinesfalls an Achtung oder Wert,
oder ist gar schuldig dadurch das es diesen Fehler meldet weil es eben
ein Defizit hat. Dies ist in vielen chronischen Krankheiten, in der die Symptome bleiben
und sich die Behandlung dann nur noch auf deren Unterdrückung beschränkt
der Fall (Asthma, Rheuma, Hauterkrankungen). Sieht man dagegen den Umstand,
das in einigen Teilen des alten Chinas die Ärzte oft nur bezahlt
wurden solange ihr Patient gesund blieb, war allein schon dadurch die
Notwendigkeit gegeben über ein anderes Behandlungskonzept nachzudenken.
Eine Therapie die darauf abzielte, dass ein Patient selbst, nach der Wiederherstellung
seiner Balance, das erneute Entstehen von Krankheiten in der Zukunft verhindern
oder lindern konnte, war daher auch ganz banaler ökonomischer Sicht
interessant. Jedoch sei an dieser Stelle ganz deutlich gesagt, dass die eine Behandlungsmethode
in keinster Weise der anderen überlegen oder gar weil "alternativ"
vorzuziehen ist. Chinesische und westliche Medizin ergänzen sich,
komplentieren einander, weil jede ein Teil des Wissens der Menschheit
trägt. Isoliert können sie zudem auch sehr sinnlos werden, dann
wenn einem Patienten mit einer lebensbedrohenden Erkrankung, erstmal seine
Einsicht dafür abverlangt oder ihm umgekehrt mit lebensbedrohenden
Therapien sein Leben fern jeglicher Lebensqualität verlängert
wird. (c) Copyright 2000 by D Blumberg V) Referenzen: Maoshing N, The Yellow Emperor's Classic of Medicine: Flaws B et al A Compendium of TCM Patterns & Treatments. Blue Poppy Pr 1996 Maciocia G The Foundations of Chinese Medicine. Churchill Livingstone, London, 1989 Maciocia G Practice of Chinese Medicine. Churchill Livingstone, London, 1994 Kaptchuk T J Chinese Medicine - The Web That Has No Weaver. Contemporary Books, 2000
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